Geschichte des Bartes, ein wenig Bart-Kultur.

Die meisten Menschen verbinden einen Bart, in welcher Form auch immer, zurecht mit Weisheit, Männlichkeit, Verwegenheit und Potenz.

Einige wenige - eine kleine Randgruppe, die es zu überzeugen gilt - halten Bärte für ungepflegt und schließen aus dem Tragen eines Bartes Faulheit. Nun, die faszinierende Geschichte der Bärte lasst sich über Jahrhunderte zurückverfolgen und zieht sich durch alle Kulturen der Welt.

Betrachtet man die Geschichte des Bartes genauer...

Fällt aber leider eines auf: Männer tendieren heutzutage zu weniger. Doch wie war es früher? Vor, Moment, ich rechne, knapp 20 Millionen Jahren, Mann war gerade erst aus dem Wasser gekrochen, war es noch gut, Bart am Körper zu tragen. Am ganzen Körper, denn er bot ausschließlich Vorteile. Der Bart hielt die Backen - alle vier! - warm, er bot Schutz vor unliebsamen Einflüssen von außen, er wehte spektakulär im rauhen Wind und beeindruckte so die, nicht minder bärtigen, Frauen.

Nur 15 Millionen Jahre später, zum Zeitpunkt der Entdeckung des Feuers und der frühen, zaghaften Versuche wilde Tiere zu domestizieren und zu Nutzvieh zu machen, um den fließenden Übergang von der Jagd- zur Agrarkultur zu schaffen, zu der Zeit, als die Menschen begannen, sich aufzurichten, zu gehen, zu marschieren und überhaupt immer mehr die Hinterbeine zur Fortbewegung zu nutzen, um mit den Vorderbeinen wichtige Dinge des Alltags tun zu können, ja, sogar da blieb der Ganzkörperbart noch immer in Mode. Das macht ihn zu einer der hartnäckigsten Modeerscheinungen der Geschichte.

Ein wenig später galt ein langer, weißer Bartzopf bei den Indern als weise und die Griechen assoziierten mit einem Bart Männlichkeit und Potenz, was verständlicherweise dazu führte, dass alle Burschen, die keinen trugen, nur belächelt wurden. Aus deren Mitte entsprang ein Mann mit beeindruckendem Rauschebart, der spannende Stories über große Holzpferde und unbequeme Mittelmeerkreuzfahrten veröffentlichte. Das schindete Eindruck. Die Männer des alten Ägypten ließen sich ihren Kinnbart färben und beschmückten ihn mit Gold. Hatschepsut, eine Pharaonin, die größere Macht innehatte als Kleopatra und Nofretete, trug während ihrer Herrschaft im 15. Jahrhundert vor Christus einen künstlichen Bart. Die Perser ließen sich lange und wilde Bärte wachsen, wohingegen die Bürger Mesopotamiens großen Wert auf die Pflege ihrer Gesichtsbehaarung legten. Sie rieben ihren Bart mit Öl ein, nutzten Zangen und geformte Eisen, um prächtige Bartfrisuren zu kreieren. Auch die  Männer Roms hielten für eine lange Zeit nicht viel von der Rasur und in germanischen Stämmen rasierte sich ein Mann zum ersten Mal, wenn er einen Feind tötete.

Doch schon bald bildeten sich erste Gegenbewegungen. Rebellen wie Buddha, Alexander oder Caesar trauten sich, gänzlich glattrasiert, aus den feuchten Gemäuern ihrer dunklen Keller in die Öffentlichkeit...

Dann begann wieder eine neue Zeitrechnung. Im Jahre 4 v. Chr. wurde jener Wandercharismatiker geboren, der, zottelbärtig und zottelhaarig, seine Mitmenschen mit wunderlichen Ansichten über Nächstenliebe, verlorene Schafe und Gott verwirrte. Sogar nachdem man ihn ans Kreuz genagelt hatte, gab er keine Ruhe, was die Menschen noch mehr verwirrte und aufgrund dieser nie dagewesenen Hartnäckigkeit glauben ließ, dass da eben etwas dran sein müsse. Wir kennen diesen alten Trick aus der Werbebranche oder beispielsweise von GEZ-Mitarbeitern oder für Greenpeace arbeitende Pädagogikstudenten. Verwirre deine Zeitgenossen und sie werden sich an dich erinnern! Wie auch immer, sein Programmheft wurde zum Bestseller. Sein Erscheinungsbild fand Nachahmer. Bei den Hunnen, den Langobarden, großartigen Männern wie Columbus und seinem Gefolge, bei Genies wie Leonardo Da Vinci.

Aber Mann dachte sich wohl, man müsse aufhören, wenn es am schönsten ist. Es kam das Zeitalter der Aufklärung, welches sich offensichtlich durch eine ausgeprägte Bartfeindlichkeit auszeichnete. Immanuel Kant war glattrasiert. François Marie Arouet, besser bekannt als Voltaire, ebenfalls. Gotthold Ephraim Lessing, Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède et de Montesquieu, Jean-Jacques Rousseau, Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich von Schiller. Alles gute Männer, aber nicht sonderlich attraktiv. Es scheint, als hätten eben diese mit der steigenden Relevanz des im Verstand gegründeten Rationalismus das wild Wuchernde wegrationalisiert.

Und jetzt? Heute treten die Blackbeards auf den Schirm. Und wir stellen wieder die Frage: Vollbart, Drei-Tage-Bart oder Moustache? Und behaupten Bärte, in welcher Form auch immer, sind Ausdruck von Einzigartigkeit, Männlichkeit und Selbstbewusstsein, sie sind ein wertvolles modisches Accessoire. Sich den Bart einfach wegzurasieren ist… nun ja, das was etwa 2/3 der deutschen Männer täglich tun. Doch wir Bartträger sind gerne in der Unterzahl, wir lieben Herausforderungen, unsere Bärte unterstreichen unsere Persönlichkeit, bringen sie gar zur Geltung. Egal, ob Vollbart à la Blackbeard, Drei-Tage-Bart à la Kurt Cobain oder Schnurrbart à la Charlie Chaplin – Bart muss sein und guter Bart ist teuer.

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Mike Seebauer ein Autor von blackbeards

Mike Seebauer

Mike ist Gründer von blackbeards und beschäftigt sich seit Langem mit den Themen Bart und Bartpflege. Er selbst ist überzeugter Träger eines Vollbartes. Im Dienste der Bartpflege-Wissenschaft testet er immer wieder Produkte aus dem blackbeards-Shop am eigenen Bart und teilt seine Erfahrungen hier im Blog.

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