Von Mike Seebauer · Aktualisiert am 17. August 2026
Hier steht, welche Produkte es bei Blackbeards einmal gab und warum sie heute nicht mehr im Regal stehen.
Wer lange genug einen Laden führt, sammelt eine Vergangenheit an. Bei uns liegt sie in Kartons im Lager in Sonnendorf, in zwei Holzschatullen und in einer Schublade voller Caps, die ich nicht hergebe. Das hier ist die Chronik dazu: die alten Bartöle, die ausgelaufenen Düfte, unsere beiden ersten Rasiermesser, die Rasur-Linie Zart für Frauen, der Aufnäher und ein Röstkaffee, über den wir bis heute reden.
Wir hätten das alles auch stillschweigend verschwinden lassen können. Machen wir aber nicht. Wenn du wissen willst, ob du einem Shop trauen kannst, schau dir an, wie er mit dem umgeht, was er nicht mehr verkauft. Uns ist lieber, du liest hier nach, warum es das Bartöl Merlin nicht mehr gibt, als dass du drei Foren durchwühlst.
Das hier ist ein Museum ohne Ausgang durch den Shop. Kein Produkt, das in dieser Chronik beschrieben wird, kannst du noch bestellen. Kein Restbestand im Hinterzimmer, keine Warteliste, keine Neuauflage in Planung. Was du hier findest, ist die Geschichte selbst – und ein Inhaltsverzeichnis, mit dem du jedes einzelne Stück davon in einem Blick ansteuerst.
- Merlin, Santa und Ragnar waren unsere ersten selbst gebrauten Bartöle
- Bartöl Premium Vanille, Bartpomade und Bartshampoo stammen aus unserer Zeit mi
- Unsere beiden ersten eigenen Rasiermesser sind heute beide Geschichte
- Zart war unsere eigene Rasur-Linie für Frauen
- Caps, Aufnäher und andere Dinge, die du dir nicht ins Gesicht schmierst
- Manche Ausreißer in unserem Sortiment hatten mit Bart gar nichts zu tun
- Warum sich unser Sortiment in diese Richtung entwickelt hat
- Das fragen uns Bartträger zu unseren alten Produkten am häufigsten
Merlin, Santa und Ragnar waren unsere ersten selbst gebrauten Bartöle.
Bevor wir mit anderen Häusern zusammengearbeitet haben, haben wir selbst gerührt. Pate standen ein Zauberer, der Weihnachtsmann und ein Wikinger – der Weise, der Gütige und der Kämpfer. Die drei waren als Anfang einer Reihe gedacht, in der jedes Öl einem großen Bartträger der Geschichte gehören sollte.
Das Bartöl Merlin war das erste, das wir selbst gebraut haben.
Merlin war unser Erstgeborenes: eine Basis aus Traubenkernöl, Jojobaöl, Arganöl und Squalan, dazu ätherische Öle der sibirischen Tanne und des virginischen Wacholders. Herb, holzig, frisch. Der Bart glänzte, war geschmeidig und roch nach Wald.
Namenspate war der Druide, der Excalibur in den Stein rammte, damit nur der rechtmäßige König von Britannien es wieder herausziehen konnte, sein Schützling Artus – der Legende nach soll er auch Stonehenge aufgestellt haben. Wir haben uns vorgestellt, wie so einer über die Jahrhunderte seinen grauen Bart pflegt: mit einem Elixier, das ihn an den Waldspaziergang vor den Toren von Camelot erinnert. Diesen Duft wollten wir in die Flasche bekommen, und wir sind bis heute stolz, wie nah wir drangekommen sind.
Das Bartöl Santa kam mit Zimt, Bratapfel und Vanille aus der Weihnachtsnacht.
Santa war unser zweites eigenes Öl und das einzige, das jemals nach Weihnachten gerochen hat. Auf dieselbe Basis aus Traubenkernöl, Jojobaöl, Arganöl und Squalan kamen ätherische Öle, die zimtig, fruchtig und süß in den Bart gingen.
Die Idee kam im Dezember. Uns stieg dieser Duft in die Nase, den es nur um diese Zeit gibt, und wir beschlossen: Der kommt aus dem Rauschebart des Weihnachtsmanns, dem Mrs. Santa vor dem Flug durch die kalte Nacht etwas Gutes tut. Warum sollten wir den nur vier Wochen im Jahr riechen dürfen? Das Öl gab es in einigen Dezembern, dann war Schluss – und ja, wir vermissen es, sobald die ersten Bratäpfel im Ofen stehen.
Das Bartöl Ragnar war für die, die lieber Held als Druide sein wollten.
Ragnar war das dritte und letzte unserer selbst gebrauten Öle: Arganöl und Squalan als Basis, dazu Lavendel und Rosmarin. Kräuterig, klar, ein bisschen wild – für alle, denen weise und gütig zu brav war.
Wir haben uns beim Mischen vorgestellt, was ein Wikingerkönig wohl im Beutel gehabt hätte: keinen herben, bösen Duft, sondern einen feinen, der von Reisen erzählt. Rosmarin und Lavendel auf Arganöl und Squalan, das war unsere Antwort darauf. Ragnar hatte unter unseren drei Ölen die treuesten Anhänger. Peter aus unserem Team hat es bis zuletzt morgens benutzt, und er war nicht der Einzige, der uns geschrieben hat, als es auslief.
Wer war Ragnar Lodbrok, der Namenspate unseres Bartöls Ragnar?
Ragnar Lodbrok, bei den Franken Reginheri genannt, gilt als sagenumwobener Wikingeranführer und, den Sagen nach, König von Dänemark – ob es ihn wirklich gab, ist bis heute nicht zweifelsfrei bewiesen. Gesicherte Quellen berichten für das Jahr 845 von einem Wikingerüberfall auf Paris, und dieser Anführer wird mit ihm gleichgesetzt. Wir haben uns damals entschieden, einfach zu glauben, dass es ihn gab.
Sein Beiname heißt übersetzt Lodenhose und geht auf die Kleidung zurück, die ihn im Kampf mit einem Lindwurm vor dessen Bissen schützen sollte. Genützt hat sie ihm am Ende nicht: Der northumbrische König Aelle ließ ihn in eine Schlangengrube werfen. Danach kam Walhalla, darüber wissen wir nichts Belastbares.
Die Familie füllt ganze Sagen. Je nach Überlieferung – der isländischen Saga Ragnar Lodbrokar oder dem Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus – heiratete er Lathgertha, Aslaug, Thora und Suanlogha. Überliefert sind die Söhne Eirekr, Björn, Sigurd, Ivar, Hvitserk, Ubba und Halfdan, dazu Töchter, die genauso in Konflikte und Heldentaten verstrickt waren. Ivar trägt den Beinamen „der Knochenlose“, wobei diskutiert wird, ob der Ausdruck falsch verstanden wurde und eigentlich auf den Wind zielt – also auf seine Fähigkeiten als Navigator.
Warum ein Wikinger auf ein Bartöl kommt? Weil dem Bart in diesen Geschichten eine große Rolle zugesprochen wird und Wikinger nachweislich Wert auf ihr Äußeres legten. Wenn du dir einen Duft aussuchst, kaufst du immer auch ein Bild im Kopf mit. Bei Ragnar war das rau, geheimnisvoll und ein bisschen abenteuerlustig.
Ragnars Bart ist das, was in den Sagen am längsten hängen geblieben ist.
Überliefert ist er als außerordentlich lang und dabei wunderbar gepflegt: Er hielt jedem Sturm auf hoher See stand, jedem Donnerschlag in der Schlacht und jeder feuchtfröhlichen Aktion dazwischen. In der Wikingerforschung wird gemunkelt, seine Beliebtheit bei den Frauen habe weniger an den Ruhmestaten gelegen als an diesem Bart. Wir haben das damals einfach geglaubt.
Zurück in unsere Köpfe gebracht hat die Wikinger die Serie „Vikings“, historisch korrekt ist sie dabei nicht. Was Überlieferung ist und was Sage, darüber bekommen sich Historiker aus aller Welt bis heute in die Bärte. Und der Weg, auf dem du Ragnar in den gesicherten Quellen findest, führt weder ins eisige Meer noch ins moosbewachsene Norwegen, sondern nach Paris. Offenbar war das schon 845 die Adresse, an der du dich sehen lassen musstest.
Merlin, Santa und Ragnar sollten der Anfang einer ganzen Serie sein.
Die drei Öle liefen bei uns unter dem Titel „Große Bartträger der Geschichte“, und es hätten noch mehr davon folgen sollen. Wir hatten Namen auf der Liste und Ideen für Düfte dazu. Gekommen ist keiner mehr.
Der Grund ist unspektakulär: Wir haben weitergetüftelt. Statt die Reihe zu verlängern, wollten wir erst einmal die Öle selbst besser machen – andere Basis, andere Arbeitsweise, andere Partner. Als wir damit fertig waren, passte die alte Reihe nicht mehr dazu. So endet eine Serie manchmal: nicht an schlechten Zahlen, sondern daran, dass man selbst weitergegangen ist. Merlin, Santa und Ragnar sind damit die einzigen drei geblieben, und dabei bleibt es auch.
Was die neuen Blackbeards Bartöle anders machen.
Die neue Basis besteht aus Jojobaöl, Passionsfruchtöl, Arganöl und Sonnenblumenöl. Darauf sitzen vier Düfte: Salbei-Zypresse frisch und würzig, Blutorange-Sumatraharz rauchig warm, Minze-Menthol belebend, Tonka-Vanille süß und zugleich herb.
Dazugelernt wurde bei der Zusammenarbeit mit Bartpracht und Meißner Tremonia, was die Kombination der Inhaltsstoffe angeht. Und wir kommen aus Bayern, dem Land des Bartes schlechthin, das schadet auch nicht.
„Alles ist Bart“ hat Andy Warhol nie gesagt. Wir sagen es trotzdem gern. Den Bart gibt es schon immer und wohl auch ewig, nur wandelt er seine Formen, und mit ihm wandeln sich die Öle und ihre Düfte.
Bartöl Premium Vanille, Bartpomade und Bartshampoo stammen aus unserer Zeit mit Golddachs.
Nach den selbst gerührten Ölen kamen die Jahre, in denen andere für uns gemischt haben. Golddachs war das eine Haus, Meißner Tremonia in Dortmund das andere — von dort kamen lange unsere Öle. Beide haben ihre Sache gut gemacht, und wir denken gern an die Zusammenarbeit zurück.
Seit 2025 rühren und füllen wir unsere Kosmetika wieder selbst ab. Aus der Zeit mit Golddachs stammen drei Produkte, die viele von euch noch im Bad stehen hatten. Ein Bartöl, eine Bartpomade und ein Bartshampoo. Getestet hat sie damals für uns Marc Fischer, Bassist der Band „Watch Them Fade“, der seinen Vollbart auf etwa 16 Zentimeter trägt.
Das Bartöl Premium Vanille war unser Klassiker aus der Zeit mit Golddachs.
Das Premium Vanille ist das Öl, nach dem heute noch am häufigsten gefragt wird. Auf der Zutatenliste standen Traubenkernöl, Mandelöl und Aprikosenkernöl als Trägeröle, dazu Vanillin und Bergamotteöl für den Duft sowie Tocopherol, Linalool und Limonene. Vanille vorne, dahinter das Fruchtige, Süßliche der Bergamotte.
Marc musste erst herausfinden, wie viel er braucht, damit der Bart glänzt, ohne speckig zu wirken. Fünf Tropfen des einen Herstellers sind eben nicht fünf Tropfen des anderen, die Pipetten sind unterschiedlich dick. Sein Rat von damals gilt bis heute für jedes Öl: vorsichtig anfangen und sich hochtasten.
Die Premium Bartpomade hat gebändigt, was das Öl nicht in den Griff bekam.
Die Bartpomade war unsere Antwort auf abstehende Barthaare: 100 Milliliter in einer schwarzen Dose, eine Mischung aus Öl, Wachsen, Fetten und Duftstoffen, die dem Vollbart Halt gab. Sie roch würzig-süß nach Bergamotte und Vanille und war damit auf das Bartöl abgestimmt.
Die Reihenfolge war wichtig: erst das Öl, dann die Pomade. Eine mandelgroße Menge aus der Dose holen, zwischen den Händen verreiben, von oben nach unten durcharbeiten, danach kämmen. Marc hat sie vor allem für den Moustache benutzt. Auch sie ist mit der alten Serie gegangen.
Das Bartshampoo Beard Wash hatte Pfefferminze und Eukalyptus in der Flasche.
Unser Beard Wash war das dritte Stück aus der Golddachs-Zeit: 200 Milliliter Bartshampoo mit dem ätherischen Öl der Pfefferminze und des Eukalyptus. Es reinigte das dicke, störrische Barthaar, ohne dass du das Haarshampoo deiner Freundin plündern musstest.
Marc war überrascht, wie wenig davon nötig war, um seinen langen Bart einzuseifen. Am besten gefiel ihm die Kombination aus der Minznote des Shampoos und der süßlichen Vanille des Öls. Unser Rat von damals gilt weiterhin, egal welches Produkt du nimmst: Wasch deinen Bart nicht täglich. Zwei- bis dreimal die Woche reicht, dazwischen genügt warmes Wasser.
Unsere beiden ersten eigenen Rasiermesser sind heute beide Geschichte.
Zwei Messer haben wir selbst entworfen und in Solingen fertigen lassen, beide limitiert, beide ausverkauft. An ihnen hängt mein Herz am meisten, deshalb bekommt hier jedes seinen eigenen Platz.
Die Queen Anne’s Revenge war 2016 unser erstes eigenes Rasiermesser.
Eine 5/8-Zoll-Klinge aus Solinger Kohlenstoffstahl, halbhohl geschliffen, mit Rundkopf, im Heft aus African Blackwood oder schwarzem Kunststoff – 520 Exemplare, jedes mit Seriennummer und Echtheitszertifikat. Die Produktion ist eingestellt, das letzte Stück ist verkauft.
Den Namen hat sie vom ersten Schiff des Piratenkapitäns, dem wir auch unseren eigenen verdanken. Blackbeard und die Queen Anne’s Revenge, Blackbeards und das Rasiermesser Queen Anne’s Revenge. So musste es sein.
Wer eines aufgeklappt hat, weiß, warum wir schwärmen: Holzschatulle auf, Leinentuch zurückschlagen, Klinge herausgleiten lassen. Darauf die Ornamente und die in Handarbeit aufgebrachten Goldintarsien mit dem Motiv des Dreimasters, in der Glasflasche das Zertifikat mit der Seriennummer.
Der Hirsch war unser zweites Messer, zum 100. Geburtstag des Freistaats Bayern.
Der Hirsch war ein Jubiläumsmesser, limitiert auf 100 Stück: 7/8-Zoll-Klinge von Wacker aus Kohlenstoffstahl mit 61 bis 63 HRC, 1/1 extrahohl im Wall-Taillenschliff, spanischer Kopf, Heftschalen aus echtem Hirschhorn, geliefert in einer Holzbox mit Brandmotiv. Entworfen und produziert haben wir es mit RMK Solingen und der Messermanufaktur Wacker.
Die Wittelsbacher haben Bayern über 700 Jahre regiert, die Novemberrevolution 1918 hat das beendet, und Kurt Eisner rief den Freistaat aus. Im selben Jahr feierten wir nebenbei 200 Jahre Verfassung, an der neben seinem Vater Maximilian I. Joseph vor allem Ludwig I. beteiligt war. Als bayerisches Unternehmen im Inntal fanden wir: Das ist ein Anlass. Ganz ohne Schiff und Pirat und trotzdem ein Messer, das zu uns passt.
Die Gravur ist mir bis heute die liebste an einem unserer Produkte. Rangelnde Hirsche im Vordergrund, dahinter eine Bergkette mit Gipfelkreuz, im Hintergrund ein Dorf. Und irgendwo sitzt ein kleiner Kater und schaut aus sicherer Entfernung zu. Er heißt Seppi. Wenn du ein Messer hast: Such ihn. Beim Heft half uns Frank Kassebaum von RMK Solingen, damit aus der Idee vom bayerischen Heft echtes Hirschhorn wurde. Von Hand geschliffen: Kein Heft gleicht dem anderen.
Wie ein Holzschnitt des Blauen Reiters kommt die Gravur mit einer auf das Minimum reduzierten Formensprache aus. Röhrende Hirsche gibt es viele, deshalb haben wir die Kirche im Dorf gelassen. Und Hirschhorn war uns in Bayern ohnehin vertraut: von den Griffen der Trachtenmesser und von den geschnitzten Hutansteckern.
Hundert Jahre Freistaat, und fast hätten wir einen Transrapid bekommen.
Ausgerufen hat den freien Volksstaat 1918 ein linker Berliner: Kurt Eisner. Der Freistaat, wie du ihn heute kennst, war das noch nicht, und durch die Nazis fand er ein jähes Ende. Ein Schritt in Richtung Demokratie und Gleichberechtigung war es trotzdem.
Viel ist in diesen hundert Jahren passiert, und fast hätten wir einen Transrapid bekommen. Gut, du kannst nicht alles haben, und alles haben musst du auch nicht. Vieles von dem, wofür Bayern in aller Welt bekannt ist, verdankt es dagegen seinen vergangenen Königen – deshalb war für uns nicht nur die Abschaffung der Stände ein Jubiläum, sondern auch die 200 Jahre Verfassung im selben Jahr. So kommt ein Bartshop aus dem Inntal dazu, ein Rasiermesser nach einer Jahreszahl zu bauen.
Am Wall und an der Taille erkennst du, was in einer Rasiermesserklinge steckt.
Der Wall ist das stabilisierende Stück zwischen der fein ausgeschliffenen Taille und der Schneide, und er ist der Grund, warum eine gute Klinge über Jahrzehnte immer wieder dünn nachgeschliffen werden kann. Die Taille sorgt für die Flexibilität und damit für eine sanfte Rasur. Beides sind Indikatoren, an denen du eine Klinge beurteilen kannst.
An der Geometrie der Schneide kumulieren sich alle Schleifvorgänge, dort wird sichtbar, wie präzise Mensch und Maschine gearbeitet haben. Die Klinge des Hirsch wurde 1/1 extrahohl im Wall-Taillenschliff geschliffen und auf 61 bis 63 HRC gehärtet. Messerschmiede sind wir nie gewesen, also haben wir uns Hilfe geholt: Wacker aus der Messerstadt Solingen, ein Familien- und Traditionsunternehmen in vierter Generation. Über die Qualität dieser Klinge erübrigt sich damit jedes weitere Wort.
So pflegst du eines der beiden Messer, wenn du noch eines besitzt.
Abledern vor der Rasur, abspülen und trocknen nach der Rasur, dann Kamelienöl auf die Klinge – das ist die ganze Routine. Weil beide Klingen aus Kohlenstoffstahl bestehen und damit nicht rostfrei sind, ist sie keine Kür, sondern Pflicht.
Im Detail: Vor dem Rasieren ziehst du das Messer über einen Hänge- oder Spannriemen ab, üblich sind rund 30 Züge pro Seite, flach über das Leder. Nach der Rasur spülst du es mit klarem Wasser ab und trocknest es mit einem sauberen Tuch. Denk an die Niete zwischen Heft und Klinge, dort sammelt sich gern Feuchtigkeit. Dann benetzt du die Klinge leicht mit Kamelienöl, gibst dem Messer 24 Stunden Ruhe und verwahrst es im Ständer oder in seiner Box.
Der Sinn dieser fünf Minuten: dass du das Messer irgendwann weitergeben kannst. An deinen Sohn, an deinen Enkel, an wen auch immer. Rost verzeiht dir keiner davon.
Zart war unsere eigene Rasur-Linie für Frauen.
Ein Kapitel unserer Geschichte, das viele gar nicht kennen: Eine Zeit lang gab es bei Blackbeards nicht nur Bart und Nassrasur für Männer, sondern eine komplette eigene Linie für die Rasur von Frauen. Sie hieß Zart, wir haben sie selbst entwickelt, und es gibt sie nicht mehr.
Die Zart-Linie hat mit einem blutenden Knie angefangen.
Der Anstoß kam aus dem eigenen Badezimmer. Wir haben Partnerinnen und Frauen daheim und bekommen mit, womit sie sich dort täglich herumschlagen. Wäre doch gelacht, dachte ich mir und rasierte mir kurzerhand selbst die Beine.
So einfach wie gedacht war das nicht. Ein blutendes Knie und ein paar Hautirritationen später war klar: Da läuft etwas schief, und zwar nicht an mir. Also habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, aus diesem Badezimmer-Drama etwas Erträglicheres zu machen. Monate später standen die ersten Zart-Produkte auf meinem Schreibtisch. Ja, ein Bartshop, der Rasurprodukte für Frauen entwickelt – wir haben uns die Frage damals selbst gestellt. Bartpflege und Rasur liegen näher beieinander, als es zuerst klingt.
Der Rasierhobel von Zart hatte einen zwölf Zentimeter langen Griff.
Das Herzstück der Linie war ein Rasierhobel aus Aluminium mit langlebiger Polymerbeschichtung, 41 Gramm leicht, mit Single-Edge-Kopf und einem außergewöhnlich langen Griff von zwölf Zentimetern. Gestaltet haben wir ihn selbst, produziert wurde er in Deutschland, im Nachbardorf.
Den Rasierhobel haben wir nicht neu erfunden, am Ende war es immer noch ein Rasierhobel. Gedacht haben wir uns trotzdem etwas dabei. Der lange Griff war für die Beine da, damit du an Waden und Kniekehlen kommst, ohne dich zu verrenken; an leichteren Stellen hast du ihn einfach weiter in der Mitte gehalten. Den Kopf haben wir gegenüber üblichen Hobelköpfen etwas verändert, damit der Winkel zwischen Klinge und Haut leichter zu finden war – das nimmt am Anfang viel Unsicherheit.
Weil wir uns für einen Single-Edge-Kopf entschieden hatten, brauchtest du nur eine halbe Rasierklinge. Es passten alle handelsüblichen Klingen hinein, du musstest sie nur in der Mitte brechen. Der Wechsel ging über einen Schraubverschluss am Kopf: aufdrehen, alte Klinge an den stumpfen Seiten herausnehmen, neue hinein, leicht zudrehen. Und das robuste Material hatte einen sehr praktischen Grund: Der Zart überlebte den Sturz von der Badewannenkante.
„Lust auf einen Neuen?“ stand damals über dem Ganzen, und gemeint war ausdrücklich nicht der Partner. Warum überhaupt eine Klinge statt fünf? Weil eine Schneide nur einmal über dieselbe Stelle zieht und nicht vier Mal hintereinander. So paradox das klingt: näher an der Haut und trotzdem sanfter. Wann die Klinge stumpf war, hast du ohne Kalender gemerkt, der Hobel fing an zu ziepen und zu rupfen. Und weil er eine einmalige Anschaffung war, blieben dir die Berge an Müll erspart, die Einwegrasierer hinterlassen.
Das Rasieröl von Zart stand ganz am Anfang der Rasur.
Öl im Badezimmer kannte man bis dahin als Kur fürs Haar oder als Alternative zur Lotion. Wir haben es an den Anfang der Rasur gestellt. Der Gedanke dahinter war schlicht: Die Klinge sollte leichter über die Haut gleiten, bevor überhaupt Creme ins Spiel kommt.
Die Zart-Rasieröle bestanden aus Bio-Trägerölen und natürlichen ätherischen Ölen, zu hundert Prozent vegan, tierleidfrei und in Deutschland hergestellt. Zwei Duftrichtungen standen zur Auswahl. Wer das Prinzip von unserer Seite kennt: Es ist dasselbe Pre-Shave-Denken, das wir bei der Nassrasur ohnehin predigen, nur eben für Beine statt für Wangen.
Was dabei passiert, ist simpel: Das Öl macht die Stoppeln weich und stellt sie auf, damit die Klinge leichter darüberzieht. Öl im Bad kann eben mehr als Haare und Lotion-Ersatz.
Die Rasiercreme von Zart gab es in Himbeere und in Blutorange.
Die Rasiercreme war als Alternative zum Rasieröl gedacht oder als Ergänzung dazu. Du hast sie direkt auf die Haut gestrichen und bei Bedarf mit den Fingern etwas aufgeschäumt, kurz einwirken lassen, dann ging es los. Kein Pinsel nötig, kein Schaum aus der Dose, der sich nach zwei Minuten verabschiedet.
Drin waren Trägeröle und milde pflanzliche Schaumbildner, der Duft kam aus ätherischen Ölen. Zwei Richtungen gab es auch hier: fruchtige Himbeere mit schwarzer Johannisbeere oder frische Blutorange mit Litsea Cubeba. Für einen Laden, in dem sonst Bergamotte, Tabak und Zeder den Ton angeben, war das ein ziemlicher Ausflug.
Der After Shave Balsam von Zart kam nach dem letzten Zug.
Zum Schluss der Linie stand ein After Shave Balsam, ebenfalls in zwei Duftrichtungen. Unsere Haltung dazu war dieselbe wie bei der Nassrasur der Männer: Eine Rasur ist erst zu Ende, wenn danach etwas passiert. Die zwei Minuten musst du dir nehmen.
Die drei Nassprodukte – Rasieröl, Rasiercreme und After Shave Balsam – gab es einzeln und in Sets zusammengestellt. Die Sets waren das, was zur Weihnachtszeit am häufigsten über den Tisch ging.
Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See – ähm, ist denn schon wieder Weihnachten? So haben wir die Sets damals angekündigt, verbunden mit dem Rat, frühzeitig an die ersten Geschenke zu denken. Oder sich einfach selbst etwas zu gönnen.
Warum es die Rasur-Linie Zart heute nicht mehr gibt.
Zart ist ausgelaufen, komplett: kein Rasierhobel, kein Rasieröl, keine Rasiercreme, kein Balsam, keine Sets. Es gibt auch keine Restbestände und keine Pläne, die Linie wieder aufzulegen.
Wir bereuen sie trotzdem nicht eine Sekunde. Zart hat uns gezwungen, ein Rasurproblem zu durchdenken, das keiner von uns selbst hat – und genau das ist am Ende in unsere übrige Entwicklungsarbeit zurückgeflossen. Wer wissen will, was wir in fünfzehn Jahren gelernt haben, kommt an diesem Kapitel nicht vorbei, auch wenn heute nichts mehr davon im Regal steht.
Caps, Aufnäher und andere Dinge, die du dir nicht ins Gesicht schmierst.
Eine Zeit lang haben wir Haute Couture mit Bart gemacht, wie wir das damals nannten. Caps, Shirts, eine Grillschürze, ein Aufnäher – vieles davon von Anfang an als Limited Edition, weil wir lieber Neues entwerfen, als eine Kappe zehn Jahre durchlaufen zu lassen.
Sieben Snapback Caps haben unser Logo durch Wind und Wetter getragen.
Es gab sie in All Black, All Grey, Grey Berry, Black Lime Green, Black Pink, Black Petrol und Suede Gold. Vorne saß immer der gestickte schwarze Bart aus unserem Logo, die Farbe kam meist über den Schirm oder dessen Unterseite dazu.
Die Grey Berry hatte ein beeriges Burgundrot am Schirm, die Black Lime Green war unsere Antwort auf die Trendfarbe des Sommers 2017. Die Black Pink war auf 100 Stück limitiert – „ROSA!?“ war meine erste Reaktion, als mir das Team die Entwürfe hinlegte. Sie kam trotzdem gut an. Die Suede Gold haben wir uns im verflixten siebten Jahr von Blackbeards gegönnt: goldener Stick, Schirm aus grauem Kunst-Wildleder, 150 Stück.
Bei der All Grey saß der tiefschwarze Stick auf dunkelgrauem Stoff, als ließe er keine andere Farbe nah an sich heran. Und wer eine Suede Gold auf dem Kopf hatte, war ein Kenner. Das wusste jeder, der die Auflage kannte.
„TRUST ME, I HAVE A BEARD.“ stand innen, wo es nur der Träger gesehen hat.
Das Beste an den Caps waren die Details auf den zweiten Blick: der Schriftzug auf den Innennähten, der Brandlogo-Stitch außen und die farbige Schildunterseite. Wer den Kopf gehoben hat, bei dem blitzte unter dem schwarzen Schild plötzlich Petrol auf.
Schwarz gehört zu den unbunten Farben, es fehlt ihm an Buntheit. Mach mal die Augen zu, dann siehst du, was du bekommst. Schmarrn. Der Kenner hat dich um die Mütze beneidet, der Neugierige hat sie bewundert.
Bei der All Black war alles schwarz, was schwarz sein konnte: Stickerei, Schirm, Schriftzug an der Seite. Trotzdem war erstaunlich viel zu sehen, wenn du genau hingeschaut hast. Eigentlich wollten wir sie länger als Standard behalten. Auf der Stelle treten wollten wir aber auch nicht.
Der Blackbeards Aufnäher war ein Bekenntnis von 7,5 Zentimetern.
Ein gestickter Patch in Schwarz mit weißem Blackbeards Logo, 7,5 Zentimeter groß, mit Kettelrand. Gedacht für alle, die mit Nadel und Faden oder Nähmaschine umgehen können.
Wer schon einmal auf einem Metal-Festival war, kennt das Prinzip von der Kutte: auf dem Rucksack, auf der Mütze, auf der Jeansweste neben dem Iron-Maiden-Patch. Unserer zeigte deine Liebe zum Bart auch dann, wenn gerade niemand deinen Bart anschaut. Dazu gab es Shirts und sogar eine Grillschürze. Alles Vergangenheit, alles gern gemacht.
Du kennst das Prinzip auch von den Westen der Fußballfans: Deine Vorlieben zeigst du am stärksten mit einem Aufnäher. Lieblingsclub, Lieblingsband, Erinnerung an einen bestimmten Abend. Bei uns eben der Bart.
Manche Ausreißer in unserem Sortiment hatten mit Bart gar nichts zu tun.
Du kennst uns als Nassrasurenthusiasten und Freunde guter Bartöle. Hin und wieder stand uns der Kopf aber nach etwas ganz anderem.
Der Blackbeards TREASURE Coffee war unser Ausflug in die Kaffeerösterei.
Der TREASURE Coffee war ein Röstkaffee aus fünf Arabica-Sorten aus Kolumbien, Honduras und Brasilien, geröstet und abgepackt von der BARULI Kaffeerösterei in Stein an der Traun. Er schmeckte nach exotischen Trockenfrüchten, Schokolade und Kakao, mit angenehmer Süße und langem Nachgeschmack.
Die Geschichte dazu haben wir damals seemännisch erzählt: In Brasilien dachten wir, die perfekte Bohne gefunden zu haben, und luden sie säckeweise an Bord. Dann führte die Route durch die Karibik, und Honduras und Kolumbien kamen mit unter Deck. Von allem in dieser Chronik ist er das, wonach am häufigsten gefragt wird.
Und verdammt nochmal, war der gut. Kaum den Hafen erreicht, ging die Beute zum Kaffeeröster unseres Vertrauens.
Warum wir uns immer wieder etwas erlauben, das nicht ins Regal passt.
Weil wir nicht stur geradeaus fahren können und das auch nicht wollen. Der Name Blackbeards kommt nicht von ungefähr, und die Abenteuerlust dahinter will hin und wieder nach außen.
Der Kaffee war so ein Fall, die Grillschürze war einer, und die Rasur-Linie Zart war der größte von allen. Es war sicher nicht das letzte Mal – ob und wann wieder, entscheidet die nächste Schnapsidee an Bord.
Warum sich unser Sortiment in diese Richtung entwickelt hat.
Eine Chronik, die nur aufzählt, was weg ist, erklärt nichts. Also der Teil, der die Linie dahinter zeigt: Wie kommt ein Laden dazu, drei selbst gebraute Öle, eine Pomade, zwei Rasiermesser, sieben Caps und eine ganze Frauenlinie hinter sich zu lassen?
Über 300 Produkte sind in diesen Jahren durch unsere Hände gegangen.
Wenn ich im Lager in Sonnendorf zwischen den Regalen stehe, sehe ich eine Historie von mehr als 300 entwickelten und vermarkteten Produkten. Großartige Sachen waren dabei, und ehrlich gesagt auch das eine oder andere, über das wir heute den Kopf schütteln.
Wer hätte vor fünfzehn Jahren geahnt, dass Männer sich Öl in Gesichtshaut und Barthaar einmassieren, ihre Konturen millimetergenau rasieren und den Oberlippenbart zwirbeln? Das war keine Selbstverständlichkeit, als wir angefangen haben. Unseren kleinen Beitrag dazu haben wir geleistet, und dabei ist eine ziemlich klare Haltung entstanden: fertigen bei Manufakturen, die wir seit Jahren persönlich kennen, überwiegend im Inland, und nichts anfassen, was wir nicht selbst jeden Tag benutzen würden. Diese Haltung ist der eigentliche Grund, warum so vieles aus dieser Chronik ausgelaufen ist – sie hat sich über die Jahre verschärft, und was ihr nicht mehr standhielt, ist gegangen.
Warum eine Serie endet, obwohl die Produkte gut ankamen.
Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird, und die Antwort ist meistens dieselbe: Wir haben etwas gelernt und wollten es nicht in die alte Form zwingen. Merlin, Santa und Ragnar sind daran genauso gescheitert wie die Golddachs-Serie.
Bei einem Duft, den du selbst entwickelst, hängt alles an der Basis darunter. Ändert sich die Basis, ändert sich der Duft, und dann ist es kein Merlin mehr, sondern ein Öl, das so ähnlich heißt. Uns war lieber, ehrlich Schluss zu machen, als etwas unter altem Namen weiterlaufen zu lassen, das mit dem alten Produkt nur noch das Etikett gemeinsam hat. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit mit einem Hersteller: Endet sie, endet die Serie. Alles andere wäre eine Behauptung.
Manches ist gegangen, ohne dass etwas nachgekommen ist.
Nicht jede Lücke in dieser Chronik ist gefüllt worden, und wir tun auch nicht so. Die Caps, die Shirts, die Grillschürze und der Aufnäher haben keinen Nachfolger. Die Zart-Linie hat keinen. Der TREASURE Coffee hat keinen. Ein eigenes Bartshampoo aus eigener Herstellung haben wir seit der Golddachs-Zeit nicht mehr.
Auch bei den Rasiermessern gilt: Die Queen Anne’s Revenge und der Hirsch waren Auflagen von 520 und 100 Stück, und limitiert heißt bei uns limitiert. Es kommt keine zweite Serie mit demselben Namen. Falls du eines dieser Stücke zu Hause hast – eine Cap, ein Shirt, den Patch, ein Messer –, halte es in Ehren. Es kommt keines nach.
Wie das Badezimmer bei uns im Team heute aussieht.
Der ehrlichste Gradmesser dafür, wie sich etwas verändert hat, ist das eigene Bad. Hartl nimmt alle drei Tage Bartseife unter der Dusche, danach Bartöl, zum Schluss einmal kämmen. Fertig.
Ich rasiere mich nicht, nur die Konturen, da bin ich eitel: waschen, Rasieröl, die paar Haare an den Wangen mit dem Wechselklingenmesser weg, danach Moisturizer. Früher stand ich dafür jeden Sonntag 30 Minuten im Bad, mit allem Drum und Dran. Peter hatte jahrelang morgens Ragnar im Bart, bis es das Öl nicht mehr gab, und hat sich umgewöhnt wie alle anderen auch. So sieht die Wahrheit hinter fünfzehn Jahren Sortiment aus: Sie steht in ganz normalen Badezimmern.
Wir erzählen dir lieber, was es einmal gab, als so zu tun, als wäre nie etwas gewesen.
Fünfzehn Jahre Sortiment heißen fünfzehn Jahre Entscheidungen, und nicht jede war ein Volltreffer. Manches ist gegangen, weil wir etwas Besseres gefunden haben, manches, weil ein Hersteller aufhörte, manches war von Anfang an auf 100 oder 520 Stück begrenzt. Diese Seite ist das Archiv dazu. Sie soll dir nichts verkaufen, sie soll eine Frage beantworten, die du sonst in drei Foren stellen müsstest.
Du hast noch eines dieser alten Stücke zu Hause und weißt nicht, wie du es pflegst? Du hast damals ein Bartöl geliebt und willst wissen, was genau drin war? Oder du hast eine Cap, deren Auflage du nicht mehr weißt? Schreib uns, wir schauen für dich nach. Wir sind immer erreichbar für dich. Über den Chat, mit der Post, per E-Mail, Brieftaube oder sogar per Fax.
Das fragen uns Bartträger zu unseren alten Produkten am häufigsten.
Warum gibt es die Bartöle Merlin, Santa und Ragnar nicht mehr?
Weil wir während ihrer Laufzeit weitergetüftelt und die Öle selbst von Grund auf neu gedacht haben. Die drei selbst gebrauten Öle kamen gut an, aber die alte Basis und die alte Arbeitsweise passten irgendwann nicht mehr zu dem, was wir gelernt hatten. Losgelassen haben wir sie mit Wehmut. Gebraut wird keines davon mehr.
Kommen Merlin, Santa oder Ragnar irgendwann wieder?
Nein. Die drei Öle sind endgültig ausgelaufen, es wird sie nicht mehr geben, und wir wollen dir keine Hoffnung machen, die wir nicht halten. Auch eine Neuauflage unter altem Namen mit neuer Rezeptur schließen wir aus, weil das kein Merlin und kein Ragnar mehr wäre.
Wer war Ragnar Lodbrok, nach dem ihr ein Bartöl benannt habt?
Er gilt als sagenumwobener Wikingeranführer, dessen Existenz nicht zweifelsfrei bewiesen ist. Gesicherte Quellen berichten für das Jahr 845 von einem Wikingerüberfall auf Paris, und dieser Anführer wird mit ihm gleichgesetzt. Bei den Franken lief er unter dem Namen Reginheri. Sein Beiname Lodbrok heißt übersetzt Lodenhose, gestorben ist er der Überlieferung nach in der Schlangengrube des northumbrischen Königs Aelle.
Kann ich irgendwo noch Restbestände der alten Produkte bekommen?
Nein, bei uns gibt es keine mehr. Die Bartöle, die Pomade, das Bartshampoo, die komplette Zart-Linie, die Caps, der Aufnäher und der Kaffee sind restlos raus, und auch die letzten Rasiermesser sind verkauft. Was gelegentlich noch auftaucht, findest du höchstens gebraucht bei Sammlern.
Was war die Zart-Linie von Blackbeards?
Zart war unsere eigene Rasur-Linie für Frauen, die wir selbst entwickelt haben. Dazu gehörten ein Rasierhobel aus Aluminium mit Single-Edge-Kopf, 41 Gramm schwer und mit zwölf Zentimeter langem Griff, außerdem Rasieröl, Rasiercreme und After Shave Balsam in jeweils zwei Duftrichtungen sowie Sets aus den drei Nassprodukten. Der Rasierhobel wurde in Deutschland produziert.
Gibt es die Rasur-Produkte von Zart heute noch?
Nein, die Linie ist vollständig ausgelaufen. Weder der Rasierhobel noch Rasieröl, Rasiercreme, After Shave Balsam oder die Sets sind noch erhältlich, und eine Neuauflage ist nicht geplant.
Gibt es das Rasiermesser Queen Anne’s Revenge noch zu kaufen?
Nein, die Produktion wurde eingestellt und das letzte der 520 Exemplare ist verkauft. Jedes Messer hatte eine Seriennummer und ein Echtheitszertifikat in einer Glasflasche. Nachgelegt wird nicht, die Auflage war von Anfang an begrenzt.
Was war der Unterschied zwischen der Queen Anne’s Revenge und dem Hirsch?
Die Queen Anne’s Revenge hatte eine 5/8-Klinge mit halbhohlem Schliff und Rundkopf, der Hirsch eine 7/8-Klinge, 1/1 extrahohl geschliffen, mit spanischem Kopf. Auch die Hefte unterschieden sich: African Blackwood oder Kunststoff beim ersten, echtes Hirschhorn beim zweiten. Der Hirsch war mit 100 Stück deutlich kleiner limitiert als die 520 Exemplare der Queen Anne’s Revenge.
Was heißt beim Hirsch „1/1 extrahohl im Wall-Taillenschliff“?
Der Wall ist das stabilisierende Stück zwischen der fein ausgeschliffenen Taille und der Schneide, die Taille sorgt für die Flexibilität und damit für eine sanfte Rasur. Ein sauber ausgeschliffener Wall ist der Grund, warum eine solche Klinge über Jahrzehnte immer wieder dünn nachgeschliffen werden kann. Beides zusammen sind Indikatoren für eine gute Klinge. Die Klinge des Hirsch kam von Wacker aus Solingen und war auf 61 bis 63 HRC gehärtet.
Ich habe noch eines eurer alten Rasiermesser. Wie pflege ich es?
Vor der Rasur abledern, nach der Rasur mit klarem Wasser abspülen, trocken wischen und die Klinge dünn mit Kamelienöl benetzen. Achte besonders auf die Niete zwischen Heft und Klinge, dort bleibt gern Feuchtigkeit sitzen. Danach 24 Stunden ruhen lassen und trocken in Ständer oder Box verwahren. Beide Klingen sind aus Kohlenstoffstahl und damit nicht rostfrei.
Führt ihr irgendwann wieder Caps, Shirts und Aufnäher?
Im Moment nicht, ausgeschlossen ist es aber nicht. Die Caps waren bewusst Limited Editions, weil wir lieber neu entwerfen, als ein Modell ewig laufen zu lassen. Einen Termin gibt es nicht, und die alten sieben Modelle kommen in keinem Fall zurück.
Warum hattet ihr als Bartshop überhaupt Kaffee im Sortiment?
Weil uns hin und wieder der Kopf nach etwas anderem steht als nach Bart und Rasur. Der TREASURE Coffee vereinte fünf Arabica-Sorten aus Kolumbien, Honduras und Brasilien und wurde von der BARULI Kaffeerösterei in Oberbayern geröstet. Es war ein Ausreißer und als solcher gedacht.