Das Produkt, das man nicht sieht und doch ständig bemerkt.
Unter allen Pflegeprodukten hat Parfum eine einzigartige Stellung. Es ist nicht sichtbar, es lässt sich nicht anfassen, es verändert das Aussehen nicht. Und doch ist es das Produkt, das andere als erstes wahrnehmen, oft bevor man überhaupt etwas gesagt hat. Ein gut gewählter Duft ist kein Accessoire, sondern eine Fortführung der eigenen Person. Er sagt etwas darüber aus, wer wir sind, welche Stimmung wir verbreiten wollen, wie wir im Gedächtnis bleiben möchten. Wer sich ernsthaft mit Parfum beschäftigt, entdeckt eine Welt, die von Tradition, Handwerk, Persönlichkeit und Kunst geprägt ist.
Die Konzentrationsstufen verstehen
Die Welt der Parfums kennt mehrere Konzentrationsstufen, und die Wahl zwischen ihnen bestimmt Charakter, Haltbarkeit und Wirkung eines Duftes. Der Unterschied liegt im Anteil der Duftöle zum Trägermaterial, meist Alkohol.
Eau de Cologne ist die leichteste Variante mit einem Duftölanteil von zwei bis fünf Prozent. Der Rest ist Alkohol und Wasser. Eau de Cologne ist erfrischend, leicht, vergänglich. Es hält zwei bis drei Stunden auf der Haut und eignet sich besonders für heiße Tage, für den Sommer, als Erfrischung nach dem Sport oder als spontanes Nachwärmen.
Eau de Toilette hat einen Duftölanteil von fünf bis fünfzehn Prozent. Es ist der klassische Alltagsduft für Männer, hält vier bis sechs Stunden und ist vielseitig einsetzbar. Für das Büro, für einen Nachmittagsausgang, als zuverlässiger Begleiter durch den Tag. Die meisten Herrenparfums sind in dieser Konzentration zu finden.
Eau de Parfum hat einen Duftölanteil von fünfzehn bis zwanzig Prozent. Es ist intensiver, hält sechs bis acht Stunden und eignet sich für Abendanlässe, für die kalte Jahreszeit oder wenn ein Duft besonders lange tragen soll. Ein Eau de Parfum braucht weniger Sprühstöße als ein Eau de Toilette, weil seine Präsenz deutlicher ist.
Parfum oder Extrait de Parfum ist die höchste Konzentration mit zwanzig bis dreißig Prozent Duftölanteil. Sehr intensiv, sehr lange haltend, sehr teuer. Ein Tropfen reicht oft für den ganzen Tag. Im reinen Herrensegment seltener zu finden, eher im Nischen-Bereich und in der klassischen französischen und italienischen Parfumkultur.
Die Duftpyramide: Kopf, Herz, Basis
Jedes Parfum entfaltet sich über die Zeit, und dieser Prozess wird in der Parfumerie als Duftpyramide bezeichnet. Die Pyramide besteht aus drei Ebenen, die sich nacheinander entfalten.
Die Kopfnote ist der erste Eindruck nach dem Aufsprühen. Sie besteht aus den leichtesten, flüchtigsten Duftmolekülen und hält nur fünfzehn bis dreißig Minuten. Typische Kopfnoten sind Zitrus (Bergamotte, Zitrone, Orange), leichte Kräuter (Lavendel, Minze) oder frische Noten (Salbei, Menthol). Die Kopfnote entscheidet, ob ein Duft im ersten Moment ansprechend wirkt, aber sie bleibt nicht.
Die Herznote entfaltet sich nach der Kopfnote und bildet das eigentliche Gesicht des Parfums. Sie hält zwei bis vier Stunden und besteht aus mittleren Duftmolekülen: Blüten (Rose, Jasmin, Geranie), Gewürze (Pfeffer, Muskat, Kardamom), Früchte oder andere charakteristische Komponenten. Die Herznote ist das, woran man den Duft erkennt.
Die Basisnote ist die Grundlage, die nach mehreren Stunden zum Vorschein kommt und bis zum Ende der Duftzeit bleibt. Sie besteht aus den schwersten, langlebigsten Komponenten: Hölzer (Sandelholz, Zeder), Harze (Weihrauch, Myrrhe, Benzoe), tierische oder tierisch anmutende Noten (Moschus, Ambra) und Vanille. Die Basisnote gibt dem Parfum seine Tiefe und seinen Nachklang.
Wer einen Duft beurteilen will, sollte ihn nicht nach dem ersten Aufsprühen entscheiden. Die Kopfnote ist selten repräsentativ für den ganzen Duft. Erst nach dreißig Minuten bis einer Stunde zeigt sich, wie der Duft sich auf der eigenen Haut entwickelt, und nur dann lässt sich beurteilen, ob er passt.
Duftfamilien
Parfums werden in Duftfamilien eingeteilt, und jede Familie hat ihren eigenen Charakter. Ein Überblick über die wichtigsten.
Zitrisch und frisch: die klassische Sommerfamilie. Bergamotte, Zitrone, Orange, Grapefruit. Leicht, erfrischend, tagsüber. Typische Vertreter sind klassische Eaux de Cologne und moderne frische Herrendüfte. Gut verträglich im Büro und an heißen Tagen.
Aromatisch und fougère: die traditionelle Herrenfamilie. Lavendel, Kräuter, Eichenmoos, Cumarin. Die klassische Fougère-Struktur ist die Grundform vieler klassischer Herrenparfums aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Ausgewogen, vielseitig, alltagstauglich.
Holzig und woody: die warme, maskuline Familie. Zedernholz, Sandelholz, Vetiver, Patchouli. Holzige Düfte sind erdig, erwachsen, zurückhaltend. Oft für Herbst und Winter bevorzugt, für berufliche Anlässe und für Männer, die einen Duft mit Tiefe suchen.
Orientalisch und amber: die opulente, sinnliche Familie. Amber, Benzoe, Weihrauch, Vanille, Tonkabohne. Orientalische Düfte sind intensiv, süß-warm, abendtauglich. Besonders in der kalten Jahreszeit wirkungsvoll, weniger geeignet für heiße Sommertage.
Chypre: die klassische französische Familie. Bergamotte in der Kopfnote, Rose und Jasmin im Herzen, Eichenmoos und Patchouli in der Basis. Chypre-Düfte sind anspruchsvoll, elegant, zeitlos. Typische Vertreter sind viele klassische Herrenparfums der Nachkriegszeit.
Gourmand: die süßere Familie. Vanille, Karamell, Tonkabohne, Kaffee, Schokolade. Gourmand-Düfte sind in der Herrenwelt eine jüngere Entwicklung, oft jugendlich, oft abends getragen.
Aquatisch: die moderne Sommerfamilie. Meeresnoten, Ozon-Akkorde, Wasser-Noten. Frisch, sauber, oft sportlich wirkend. Eine Entwicklung der späten neunziger und frühen 2000er Jahre, die bis heute Standard geblieben ist.
Duft und Anlass
Ein gut sortierter Duftschrank hat nicht nur einen Duft für alle Gelegenheiten, sondern verschiedene für verschiedene Anlässe.
Für den Arbeitsalltag eignet sich ein zurückhaltender, nicht zu süßer Duft. Frische zitrische oder aromatische Töne, dezent dosiert, damit der Kollegenkreis nicht überfordert wird. Ein Eau de Toilette in mittlerer Intensität ist die klassische Wahl.
Für den Abend darf ein Duft intensiver, tiefer, maskuliner sein. Holzige oder orientalische Noten, als Eau de Parfum oder Extrait getragen. Abendduft darf Präsenz haben, weil der soziale Kontext sie verträgt.
Für den Sommer passen zitrische und aquatische Düfte. Leichte Eaux de Cologne oder frische Eaux de Toilette. Schwere orientalische Düfte werden in der Hitze oft unangenehm, weil die Wärme die Duftmoleküle schneller freisetzt und den Träger umhüllt.
Für den Winter bieten sich wärmere, intensivere Düfte an. Holzig, orientalisch, mit Harzen und Gewürzen. Ein gutes Eau de Parfum mit Tiefgang begleitet durch die Kälte.
Für Sport und aktive Anlässe ist ein leichtes Eau de Cologne oder ein aquatischer Duft passend. Schwere Düfte kollidieren mit Schweiß und werden unangenehm.
Für formelle Anlässe, Hochzeiten, Empfänge oder wichtige Termine eignet sich ein klassischer Duft aus der aromatischen oder Chypre-Familie. Zeitlos, elegant, nicht modisch.
Die Wahl des eigenen Dufts
Den eigenen Duft zu finden, ist ein Prozess, der Zeit braucht. Ein paar Hinweise, die den Weg leichter machen.
Nicht aus der Werbung kaufen. Werbung vermittelt Stimmungen und Bilder, aber nicht den Duft selbst. Ein Parfum muss auf der eigenen Haut erprobt werden, nicht aus dem Fernsehspot.
Im Geschäft testen, aber mit Geduld. Ein Parfum auf einem Probestreifen riecht anders als auf der Haut. Der Körperwärme braucht es, um die Duftpyramide zu entfalten. Wer im Geschäft testet, sollte einen Duft auftragen, eine halbe Stunde oder länger warten und dann entscheiden.
Nicht mehrere Düfte gleichzeitig testen. Die Nase ermüdet schnell, und nach dem dritten oder vierten Parfum vermischen sich die Eindrücke. Besser zwei bis drei Düfte an verschiedenen Stellen auftragen und im Lauf des Tages beobachten, welcher bleibt und welcher verschwindet.
Proben anfordern. Viele Parfumhäuser bieten kleine Proben an, die einen Duft über mehrere Tage testen lassen. Das gibt eine viel bessere Vorstellung als ein einmaliges Aufsprühen im Geschäft.
Auf die Wirkung bei anderen achten. Ein Duft wirkt auf die Nase der Umgebung oft anders als auf die eigene. Partner, Familienmitglieder oder enge Freunde können einen wertvollen Hinweis geben, ob ein Duft passt.
Keine Eile. Wer sich nicht sicher ist, kauft besser nicht. Ein Fehlkauf landet im Schrank und wird selten getragen. Lieber ein paar Wochen warten, mehrere Düfte testen, und dann entscheiden.
Die richtige Anwendung
Parfum richtig aufzutragen ist keine Wissenschaft, aber einige Grundregeln helfen.
Auf die Haut, nicht auf die Kleidung. Die Haut mit ihrer Wärme entfaltet den Duft in der vorgesehenen Weise, Kleidung nicht. Außerdem hinterlässt Parfum oft Flecken auf hellen Stoffen.
Auf warme Körperstellen. Handgelenke, Halsseite, hinter den Ohrläppchen, in der Halskuhle, am Oberkörper, an den Schläfen. An diesen Stellen pulsiert Blut nahe der Hautoberfläche, die Körperwärme erwärmt den Duft und gibt ihn sanft ab.
Nicht verreiben. Das Verreiben, das viele Männer mechanisch machen, nachdem sie Parfum auf die Handgelenke gesprüht haben, zerstört die Duftpyramide. Die Duftmoleküle werden durch die Reibung erhitzt und verdampfen unregelmäßig. Einfach antrocknen lassen.
Die richtige Menge. Zwei bis drei Sprühstöße für ein Eau de Toilette sind der Standard, ein bis zwei für ein Eau de Parfum. Wer seine Kollegen im Aufzug nicht überfallen will, dosiert lieber sparsam.
Nach dem Duschen auftragen. Die Haut ist nach der Dusche leicht feucht und warm, Parfum hält dann besser. Wer eine unparfümierte oder duftneutrale Körperlotion aufträgt, schafft zusätzlich eine pflegende Grundlage, auf der das Parfum länger haftet.
Aufbewahrung
Parfum ist nicht unbegrenzt haltbar. Die Duftmoleküle sind lichtempfindlich und verändern sich unter Einfluss von Wärme und UV-Strahlung.
Am besten kühl, trocken und dunkel lagern. Nicht im Bad, wo Temperatur und Luftfeuchtigkeit stark schwanken. Ein Schrank im Schlafzimmer oder ein dunkler Eckplatz ist die bessere Wahl.
Original-Verpackung behalten, wenn möglich. Die Schachtel schützt das Flakon vor Licht und hält den Duft länger stabil.
Flakon verschlossen halten. Der Kontakt mit Sauerstoff oxidiert die Duftmoleküle und verändert den Charakter über die Zeit. Sprüh-Flakons mit Pumpe sind in dieser Hinsicht gut, weil sie das Parfum vor Luft schützen.
Gut gelagert bleibt ein Parfum zwei bis fünf Jahre voll wirksam. Danach kann sich der Charakter verändern, der Duft kann stumpfer wirken oder bestimmte Noten verlieren. Ein Parfum, das über Jahre im warmen Bad stand, kann schon nach einem Jahr nicht mehr wie frisch gekauft riechen.
Bei Unsicherheit, welcher Duft zum eigenen Geschmack und zu den gewünschten Anlässen passt, oder bei Fragen zur Wahl zwischen Eau de Toilette und Eau de Parfum, schreib Finn oder Mike. Zwei Sätze zu den Vorlieben und zu den bevorzugten Anlässen reichen für einen passenden Vorschlag.