Unsere romantische Vorstellung einer gelungenen klassischen Nassrasur.
Folge uns, wir nehmen dich mit in unsere verworrene Gedankenwelt. Wenn wir jetzt “Stell dir vor” schreiben, stell es dir wirklich vor. Lies nicht nur die Worte, sondern… Stell dir vor, du nimmst dir jeden Morgen einige Minuten Zeit für ein Ritual, das dir einen guten Start in den Tag bereitet, das ihn von Grund auf besser macht. Du könntest meditieren, aber dafür fehlt dir das Durchhaltevermögen, du könntest Joggen gehen, aber dafür fehlt dir die Motivation, du könntest dein Bett machen, damit du den ersten Erfolg deines Tages feierst, aber du denkst du bist zu Größerem bestimmt. So machst du etwas, das du ohnehin tun musst, zu etwas, das dir Freude bereitet. Anstatt deine Bartstoppeln lieblos von deinen markanten Wangen zu kratzen, gibst du dir ein wenig Mühe - und mit der Zeit geht dir diese Mühe mit Leichtigkeit von der Hand.
Zunächst wäschst du dir den feinen, magischen Sand des Sandmannes aus den Augen, der deine Augenlider schwer werden und dich schön träumen ließ. Ein Peeling, denkst du dir dabei, wäre eine gute Vorbereitung auf die Rasur.
Gib einen Schuss heißes Wasser auf deine Rasierseife, ein leichter Hauch des Duftes steigt in deine Nase, weckt die Vorfreude auf das, was auf dich zukommt. Du hast, ohne darüber nachzudenken, aus deiner kleinen, aber feinen Auswahl an Seifen eine Duftnote gewählt, die erdig ist, ein wenig blumig und dann holzig. Wer denkt sich denn sowas aus? Welch grandiose Kombination! Eine subtile Anspielung an Bodenständigkeit, gefolgt von ein Übersichhinauswachsen.
Nimm deinen Rasierpinsel zur Hand, lass ihn auf der Seife tanzen. Von ganz allein, ohne Anstrengung entsteht ein schöner Rasierschaum von sahniger Konsistenz. Du bist ein wenig stolz auf dich, weil das mit dem Aufschlagen mittlerweile so gut funktioniert.
In kreisenden Bewegungen massierst du den Schaum in dein Gesicht, Stoppel für Stoppel wird umschlossen von der Masse, die ihr baldiges Ende bedeutet. Du wartest einige Sekunden, atmest einmal tief ein, der Duft kommt nun voll zur Geltung. Wie schön kann es sein?
Du greifst zur scharfen Klinge, setzt sie sanft an. Fährst in kurzen Zügen über deine Haut, machst den Bartstoppeln den Gar aus. Wie leicht das geht, ohne Hast, ohne Druck.
Du wäschst dir die Reste vom Schaum aus dem Gesicht, wählst diesmal bewusst dein Rasierwasser. Zitrone, Orange, Limette und ein bisschen Menthol. Erquickend.
In Manier des alten Blackbeard wollten wir nun ein Zitat von Konfuzius über die Nassrasur zum Besten geben, ihm vielleicht sogar Worte zu unseren Gunsten in den Mund legen, die unsere Aussagen unterstreichen. Doch unsere Leser sind schlau und so bist du es, dass du uns auf die Schliche kämest. Konfuzius war kein Freund der Rasur, für ihn galt das Stutzen seines Bartes als unehrenhaft.
Für den Klingenspalt eines Rasierhobels, die Unterschiede in der Schärfe einer Rasierklinge, sagen wir eine Feather im Vergleich zu einer Astra, hätte der gute Mann vermutlich wenig Wertschätzung aufbringen können. Die Kunst der perfekten Rasierschaumschlägerei und das Ritual einer glatten und doch sanften Nassrasur mit einem Rasiermesser hätten in seiner Weltanschauung keinen Platz gehabt.