Streichriemen aus Juchtenleder – ledern ist kein Schleifen.
Fast jeder, der ein Rasiermesser besitzt, hat schon einmal gehört, man müsse es vor der Rasur „abziehen“. Warum, kann kaum jemand sagen. Die Antwort ist überraschend genau, und sie erklärt auch, warum man es falsch machen kann.
Das Verfahren: der Grat wird gerichtet, nicht abgetragen.
Die Schneide eines Rasiermessers läuft in einer hauchdünnen Kante aus, die beim Rasieren zur Seite umlegt – nicht sichtbar, aber spürbar: Das Messer zieht plötzlich, obwohl es scharf ist. Ein Streichriemen trägt nichts ab. Er richtet diese umgelegte Kante wieder auf, indem das Messer mit dem Rücken voran über das nachgiebige Leder gezogen wird. Deshalb ledert man vor jeder Rasur und schleift nur ein paar Mal im Jahr. Und deshalb ist die Richtung entscheidend: Ziehst du mit der Schneide voran, schneidest du in den Riemen und ruinierst beides. Zwanzig bis dreißig ruhige Züge reichen, und Druck brauchst du keinen – das Leder macht die Arbeit, sobald es straff ist.
Das Leder: Juchten, dazu ein Gurt aus Hanf.
Juchtenleder ist eine alte, mit pflanzlichen Gerbstoffen gegerbte Rindlederart, die ursprünglich aus Russland kommt und für ihre Zähigkeit bekannt ist. Für einen Streichriemen ist genau die Kombination gefragt, die sie mitbringt: fest genug, um sich unter Zug nicht zu dehnen, und geschmeidig genug, um sich beim Zug minimal unter die Schneide zu legen. Der Hanfgurt auf der Gegenseite ist kein Zierrat, sondern die gröbere Bahn: Über ihn geht man vor dem Leder, um Rückstände abzunehmen und die Kante vorzubereiten. Dreiunddreißigeinhalb Zentimeter Lederbahn, viereinhalb Zentimeter Breite, knapp fünfzig Zentimeter Gesamtlänge mit Aufhängung.
Aus der Werkstatt: ein Haus in Solingen, das nichts anderes macht.
Unsere Riemen kommen aus einem Solinger Betrieb, der 1919 gegründet wurde und sich seither auf Streichriemen und Abziehpasten beschränkt hat. Wenn du in Europa ein Rasiermesser einer bekannten Marke kaufst und ein Riemen dabeiliegt, stehen die Chancen gut, dass er aus demselben Haus stammt – dort kaufen die Messerhersteller ein. Das Juchtenleder wird dort bewusst verwendet, weil es haltbar und geschmeidig zugleich ist und dadurch gleichmäßig ledert. Wir haben lange nach einem besseren Riemen gesucht und am Ende festgestellt, dass wir bereits beim Richtigen waren.
Blackbeards X: eingekauft, wo alle einkaufen.
Bei diesem Riemen ist unser Beitrag klein: Wir haben ihn ausgesucht, nicht gebaut. Der Betrieb dahinter beliefert halb Europa, und wir sehen keinen Grund, so zu tun, als hätten wir eine geheime Quelle. Was wir beitragen, ist die Auswahl der Ausführung und die Bereitschaft, es hinzuschreiben. Wenn du eine andere Länge oder eine Paste dazu brauchst, sag Bescheid – beides ist zu bekommen.