Castle Forbes Estate liegt in Aberdeenshire, am Oberlauf des River Don, und ist seit Jahrhunderten der Stammsitz des gleichnamigen Clans. Der Familientitel Lord Forbes geht auf das Jahr 1445 zurück und gilt bis heute als Scotlands Premier Lordship, die dienstälteste Lordschaft des Landes. Vor diesem historischen Hintergrund gründeten 1996 Lady Jinny Forbes und Andrew French die Manufaktur, die kurz darauf als „World's smallest perfumery" bekannt wurde. Das Hirschkopf-Emblem auf Flakons und Tiegeln stammt aus dem offiziellen Clan-Wappen. Andrew French, in den Siebziger- und Achtzigerjahren einer der jüngsten Parfum-Buyer im britischen Kosmetikhandel, komponiert bis heute jeden Duft selbst. Seine Frau Judy French zeichnet verantwortlich für Flakons, Etiketten und die gesamte visuelle Sprache.
Die Rasierlinie war ursprünglich nicht im Plan. Sie entstand über fünf Jahre Entwicklungszeit, als Andrew French den Anspruch hatte, eine Rasiercreme zu bauen, die nicht über synthetische Parfum-Compounds funktioniert, sondern über reine ätherische Öle. Das Ergebnis sind drei Essential-Oil-Cremes, jede für einen bestimmten Hauttyp: Lavender für empfindliche Haut, weil Lavendelöl beruhigt; Lime für Haut, die zu kleinen Schnitten und Nicks neigt, weil Limettenöl die Blutgerinnung unterstützt; Cedar & Sandalwood für alle Hauttypen, mit Zedernholz und nachhaltig bezogenem Sandelholz. Die letztgenannte Variante wurde 2015 bei den Badger-&-Blade-Awards als beste Rasiercreme ausgezeichnet. Dazu kommen zwei Cremes mit der vollen Parfum-Komposition des jeweiligen Eau de Parfums, 1445 und Forbes of Forbes, sowie die passenden After Shave Balsame und ein wasserlösliches Pre Shave. Die Konzentration der Formeln ist so hoch, dass ein Tiegel je nach Nutzung fünf bis sechs Monate reicht.
Die Eau-de-Parfum-Kollektion teilt sich in zwei Reihen. Die Classic Collection umfasst die vier regulären Düfte: 1445, die klassische Fougère rund um das Namensgeber-Jahr; Gentlemen's Cologne, inspiriert von der kühlen Bergluft der schottischen Highlands; Keig, eine Citrus-Woody-Komposition, benannt nach dem Weiler am Rande des Estates; und Forbes of Forbes, ein warmer, leicht rauchiger Duft mit Lederakkord, benannt nach dem offiziellen Clan-Chief-Titel. Die Special-Reserve-Reihe ergänzt diese Linie um limitierte Auflagen, die nur produziert werden, wenn Andrew French die gewünschte Rohstoffqualität auch tatsächlich bekommt. Neroli ist dafür das klarste Beispiel: Aus 1.000 Kilo Bitterorangenblüten entsteht gerade ein Kilo des ätherischen Öls, fällt die Ernte schwach aus, bleibt die Auflage klein. Daneben existieren Vetiver, rund um das historische „Öl der Ruhe", und Sandalwood, aus ausgewählten nachhaltigen Quellen.
Die Philosophie des Hauses lässt sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens: Kleinserien statt Industriechargen. Die Lavender-Rasiercreme etwa wird ausschließlich von Hand abgefüllt, nur 500 bis 600 Einheiten pro Durchgang, weil größere Mischkessel der Rezeptur schlicht schaden würden. Zweitens: Rohstoffqualität vor Preisstabilität. Als die Sandelholz-Versorgung aus Mysore über die Jahre unzuverlässig wurde, stellte Castle Forbes konsequent auf eine nachhaltig bewirtschaftete Quelle um, auch wenn das den Einkauf verteuert. Drittens: Klarheit in der Formulierung. Die Produkte kommen ohne Parabene, ohne Sulfate, ohne Palmöl, ohne Farbstoffe und ohne tierische Bestandteile aus. Die After Shave Balsame enthalten keinen zugesetzten Alkohol, der in der INCI deklarierte Alkoholanteil stammt ausschließlich aus der Witch-Hazel-Destillation, in der er als Trägermittel dient. Diese Entscheidung fiel nach der Einführung der aktuellen IFRA-Richtlinien, statt den Anteil unter Witch Hazel zu verbergen, wird er offen ausgewiesen.
Castle Forbes arbeitet bis heute als unabhängige Familienmanufaktur. Keine Lohnproduktion für Dritte, kein Konzerndach, keine Vertriebs-Linienerweiterung um der Skalierung willen. Was das Estate verlässt, ist dort auch entstanden.