Jetzt mal ohne Scheiß: Unsere Bärte sind sauber.

Im Internet kursiert gerade Folgendes: In manchen Bärten sind mehr Fäkal-Bakterien zu finden als in einer Toilette. Das klingt erschreckend.

Was haben unsere Bärte mit Toiletten tatsächlich gemeinsam? Das kommt erstens auf den Bart und zweitens auf die Toilette an. Wir bekommen seit ein paar Tagen eine Menge an Mails mit Links zu Nachrichtenportalen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die erschreckende Dinge schreiben wie…

„Bärte sind verdreckter als Toiletten“20min.ch

„Forscher belegt: In manchen Bärten sind mehr Fäkal-Bakterien als in einer Toilette“focus.de

„Mehr Fäkal-Bakterien in Bärten als in Toilette“wunderweib.de

„Some beards contain more poo than a toilet shocking study reveals”mirror.co.uk

Wir haben uns den Ursprung allen Übels genauer angeschaut, voller Nachdenklichkeit unsere Bärte gestreichelt und hier ist unsere Meinung dazu.

Seinen Kern hat diese wilde Story in einem Bericht eines Nachrichten-Senders aus Albuquerque, New Mexiko. Zerlegen wir das Ganze in seine Einzelteile: Wenn wir das richtig verstehen, hat eine Reporterin Abstriche an den Bärten einer „Handvoll“ tapferer Männer gemacht, die Stäbchen dem Mikrobiologen John Golobic übergeben, der in seinem Labor nach allem gesucht hat, was er finden konnte und ihn anschließend interviewt.

Kurzer Einwurf. Damit bekommst du deinen Bart sauber.

Es ist keine Studie, es handelt sich um ein Experiment. In Albuquerque.

Werfen wir einen Blick auf die Studie. Oh, Moment. Es gibt keine. Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen einem Unternehmen, das Studien durchführt, einer Studie, die durchgeführt wird und – so sehen wir das – einem Experiment mit einer Handvoll tapferer Männer aus Albuquerque, die einen Abstrich an ihren Bärten machen lassen.

Um eine „Handvoll“ zu verdeutlichen geben wir diesen tapferen Männern Namen. Nennen wir sie Walter, Jesse, Mike, Gustavo und Lawson. Der Drei-Tage-Bart von Jesse ist sauber, Mike und Lawson haben, in normalem Rahmen, Bakterien auf ihrer Haut und in ihren Bärten wie der stets glattrasierte Gustavo auch. Es ist wahr, es gibt immer jemanden, der – auch im Hinblick auf seine Bartpflege – vom rechten Weg abkommt. Sagen wir, das ist in unserem Beispiel Walter. Selbst wenn Walter einen gepflegten Henriquatre trägt, so spielt er doch an seinem Smartphone herum, hat vorhin noch eine Mail an seinem PC geschrieben und dann seinen Bart gestreichelt, wie man das als Bartträger nun mal tut. Unerwartet erwischt ihn eine Reporterin auf der Straße und macht einen Abstrich. Wir konnten nicht herausfinden, wie hoch der Anteil der Ferkel in diesem Experiment tatsächlich war, sind aber überzeugt, dass es die meisten auf die Reihe bekommen, sich regelmäßig die Hände zu waschen. In diesem Sinne: S'all good, man.

Was hat sie gerade gesagt? Poop? Ich hätte das richtig bezeichnet, aber was soll’s.

Nun, John Golobic identifizierte einige der Bakterien als „enterics“, was bedeutet, dass sie normalerweise im Darm leben. So verstehen wir als Laien das. Dann sagt er etwas wie „Those are the types of things you’d find in…”, sie sagt „Poop” und dann stößt er irgendeinen Laut aus. Könnte ein „Ja“ sein, muss es aber nicht. So kommt es, dass manche Medien über Spuren von Kot in Bärten schreiben, damit den Bartträger verwirren, die Freundin des Bartträgers verunsichern und den militanten Glattrasierten dazu bewegen, diesen Sch… Schmarrn schadenfroh zu verbreiten.

Ok, wir geben euch den Punkt, dass Fäkalien teilweise aus Bakterien bestehen, aber es ist nicht richtig, diese Bakterien selbst als Kot zu bezeichnen. Plus, wir wissen, dass ein gewissenhafter und – vielleicht aber nicht zwingend – bärtiger Reporter abgesehen von Bartöl und Bartwichse alles, was er in unseren Bärten findet auch an vielen anderen Stellen des menschlichen Körpers findet. Im Haupthaar beispielsweise. Es gibt ausreichend Experimente, bei denen man Abstriche davon gemacht hat, aber auch von Smartphones oder Zahnbürsten und rate mal, was dabei rausgekommen ist. Das alles ist zwar ekelig, aber ungefährlich. Manchmal reicht es, Informationen einfach wegzulassen, um den Leser auf die falsche Fährte zu locken.

Und, was sagen die Bartträger dazu?

Während sich unsere Pogonophilie in Deutschland, Österreich und der Schweiz langsam und stetig auf andere Menschen überträgt, wächst auf der anderen Seite des Ozeans (aber sicher nicht nur dort…) die Pogonophobie, bereitet so Manchem schlaflose Nächte, verursacht Übelkeit und Schwitzen. Wir können das nachvollziehen, manche Bärte sind einfach beängstigend. Aber eben nicht alle. Das sind die Empfehlungen der Medien, zusammengefasst. Und danach die Meinung unserer Freunde und Bekannten.

  • Regelmäßiges Bürsten des Bartes und Waschen der Hände
  • Auch unnötiges Berühren des Bartes sollte vermieden werden
  • Abrasieren des Bartes
  • Waschen des Bartes

Nathaniel Beard von der großartigen Band „The Beards“ sagt: „We the bearded are used to these laughable attempts to undermine the beard. The multi-billion dollar shaving industry has reported huge losses on men’s shaving products globally and will do anything they can to manipulate the masses into shaving.”

Bastian meint: „Wenn die meine Bartpflege kennen würden..... Mein Bart bekommt mehr Pflege als jede Haarpracht der Frauen...“

Markus erzählt: „Ich brauch länger im Bad als manch eine Frau und ich bin mir sicher das über 90 Prozent der Bartträger ihren Bart zu pflegen wissen.“

Benjamin bringt es auf den Punkt: „Und unnötiges Anfassen des Bartes soll vermieden werden. Ja, warum hab ich ihn denn dann?“

Wie auch immer, sofern wir das von hier aus beurteilen können, gibt es keine aussagekräftige Studie, kein Team von Mikrobiologen, dass das tatsächlich so behaupten würde und damit auch keine Spuren von Kot in unseren Bärten. Wir sind sauber. Wie schaut’s bei dir aus?

Damit du nicht der Schmutzfink bist...

Kann schon sein, dass manche Typen ihre Bärte nicht waschen. Das Wichtige bei der täglichen Bartwäsche ist, dass deine Haare nicht austrocknen, sonst werden sie widerspenstig – die kleinen Biester. Aus diesem Grund ist Bartshampoo sehr gut für diejenigen geeignet, die unter sensibler Haut – sei es nun im Gesicht oder auf dem Haupt – leiden. Jedes Bartshampoo kannst du also ohne Bedenken auch für die Mähne auf deinem Kopf anwenden.

Aber probiere auch einmal Folgendes aus: Nicht jeden Tag ist dein Bart so verschmutzt, dass eine intensive Reinigung notwendig ist. Wasch ihn mal ein paar Tage lang nur mit warmem Wasser. Behandle ihn ganz normal mit Bartöl und Bartpomade und beobachte, wie deine Barthaare geschmeidiger werden.

Teilen:

Mike Seebauer ein Autor von blackbeards

Mike Seebauer

Mike ist Gründer von blackbeards und beschäftigt sich seit Langem mit den Themen Bart und Bartpflege. Er selbst ist überzeugter Träger eines Vollbartes. Im Dienste der Bartpflege-Wissenschaft testet er immer wieder Produkte aus dem blackbeards-Shop am eigenen Bart und teilt seine Erfahrungen hier im Blog.

Hinterlasse eine Antwort

8 Gedanken zu „Jetzt mal ohne Scheiß: Unsere Bärte sind sauber.“

  • Also ich hab meinen Bart schon seit 45 Jahren , bei meiner täglichen Tusche wird auch der Bart gewaschen, einmal in der Woche gestutzt . Täglich gekämmt und gebürstet.
    Ich denke jeder Bartträger der in geordneten Verhältnissen lebt, pflegt sich und seinen Bart.

  • Ich trage einen Bart, seit dem mir etwas wächst. Pflege ihn Regelmäßig mit PH neutrales Shampoo. Mein Bartöl besteht aus Olivenöl ,Kamillentee und einem Spritzer Zitrone.
    Zu der Geschichte sage ich nur eines.
    Besser Scheiße im Bart, als Scheiße im Gehirn.

  • Wer keine gute Körperhygiene hat wird auch nicht wirklich einen sauberen Bart haben, aber ich denke das es immer eine Sache der Disziplin ist. Gelernt ist gelernt!


    Beste Grüße

  • Es ist so unglaublich nervig, wenn solche Stories so aufgebauscht werden! Das ist absolutes Bild-Niveau. Also nicht hier, sondern in den anderen Berichten darüber...

    Ich bin mal gespannt was passieren würde, wenn man das gleiche "Experiment" (wenn man es denn so nennen kann) an einer handvoll Männern in den Haaren am Kopf durchführen würde. Wenn das gleiche rauskommt, was wäre dann die Schlussfolgerung? Kopf auch glattrasieren? Oh man oh man...

  • Danke!

    Es ist eine so wunderbare Mischung an Halbwissen, Falschinterpretation von Informationen (von Statistiken kann ja nicht einmal die Rede sein, wenn es so eine nicht gibt), und Übertreibung.

    Es gibt sicher auch Experimente, die in weiblichen Haarbürsten, Handtaschen oder sonst wo Bakterien nachweisen, die sonst nur im Rachen eines Komodo-Waran zu Hause sind, aber was solls? :D

    Ich habe meinen Bart nun seit einigen Monaten erst und kümmere mich so penibel darum, dass es ihm gut geht. Da mache ich mir auch deutlich mehr Sorgen um Anderes als meine Barthygiene.

    Danke für die Erleuchtung, Mike! haha :)

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Dan

  • Boah diese Thema hat mich schon einige Nerven gekostet:-D
    Ich meine sogar mal irgendwo gelesen zu haben, dass Bartträger einiges weniger an Bakterien generell im Gesicht haben sollen, als Glattrasierte.
    Und das im Bart Fäkalien sein sollen... Weiß noch jeder das man sich nach dem Toilettengang die Hände waschen muss;-)

    Schöner Beitrag,
    Lg

  • Jürgen Frankenbeger am 24. Oktober 2016 at 23:26

    Wenn das Bartbiotop im natürlichen Gleichgewicht ist, dann fressen die Kleinstlebewesen die Bakterien auf und es herrscht ein ausgeglichenes bartholinisches Milieu!

← vorheriger Beitrag nächster Beitrag →