Wie und wo der Bart wächst und warum Bartwuchs und Bartwachstum nicht dasselbe sind.

Bartöl: Fünf gute Gründe für ein Bartöl.

Am eigenen Kinn habe ich dazu gerade ein AHA Erlebnis.

Ich lasse mir erstmals einen Bart wachsen und stelle fest: Da sind Lücken. Die Barthaare aber, die wachsen, sind gleich lang. Bartwuchs versus Bartwachstum ist gleich Dichte versus Länge. Was soll ich sagen? Als stets Glattgesichtiger dachte ich mir vor gut drei Wochen, mich einfach mal nicht zu rasieren. Zwei Gründe gab´s dafür. Einmal als Testlauf, weil ich im nächsten Jahr eine längere Radtour machen will und mir das Rasieren dabei aus praktischen Gründen schenken will. Der zweite Grund ist das empirische Vorgehen, um endlich aus eigener, unmittelbarer Erfahrung schreiben zu können, was ich bisher, zwar intensiv vertieft, aber dennoch nur theoretisch an Fachwissen angesammelt hatte.

Gut, ganz unmerklich ist jetzt etwas in meinem Gesicht gewachsen, das nun fast als Bart durchgeht. In meinen Augen ist es schon einer, die längste Matte, die ich je unter der Nase trug. Im Vergleich zu den Bärten meiner Teamkollegen sieht er aber noch kläglich aus. Kann ja noch werden, wobei ich aber nicht sicher bin, ob er bis zur besagten Radreise doch nochmal abkommt. Momentan wächst er munter weiter, aber eine Sache fiel mir bald auf: In meinem Gesicht bildet er noch lange nicht die Dichte der mich umgebenden Bärte. Und dazu noch sprießen die Haare partieweise völlig unterschiedlich.

Das macht mich stutzig.

Ich hatte nämlich angenommen, das unkontrollierte Wachsenlassen würde automatisch zu einer homogenen Verteilung der Haare führen. Ganz so, wie es auf meinem Kopf seit jeher geschieht. Da wachsen die Haare vorne, hinten, oben und an der Seite immer gleich schnell und alle Bereiche sind dicht. Das ist jetzt im Gesicht anders. „Hilfe, mein Bart wächst ungleichmäßig.“

Mein Appell verhallte nicht ungehört im blackbeards Büro. Komisches Gefühl erst, so viele Männergesichter so nahe an meinem eigenen zu haben. Dann noch der enttäuschende Kommentar der anderen: „Er wächst völlig gleichmäßig, du irrst dich.“ Das zusätzliche, zwischen Mitleid und Vieldeutigkeit auslegbare Grinsen der Kollegen hat mich noch mehr verunsichert. Aber…, da sind doch eindeutig Stellen rund um meinen Mund, wo weniger oder sogar gar keine Haare wachsen. Dagegen über dem Mund und unter ihm ein ziemlich dichter Wuchs. Ratlosigkeit überfiel mich.

Was kann man tun?

„Tja“, hieß es dann irgendwann, „an den bewachsenen Stellen sind deine Barthaare doch überall gleich lang. Dein Bart wächst also nicht ungleichmäßig. Er wächst nur an manchen Stellen wenig oder sogar gar nicht.“ „Also ist mein Bartwachstum doch ungleichmäßig“, protestierte ich. „Man kann es ja ganz deutlich sehen.“ „Nein, nein“, hieß es, „dein Bartwachstum ist vollkommen gleichmäßig.“ Ob es nun Haarspalterei langjähriger Bartnerds war oder kompetentes Fachwissen, das sich mir noch nicht erschlossen hatte: Mir dämmerte erst langsam, dass es einen Unterschied zwischen Bartwuchs und Bartwachstum gibt. Wenn die Barthaare an allen Stellen, wo im Gesicht Haare wachsen die gleiche Länge haben, dann stimmt es mit dem Bartwachstum. Mein Problem, vielmehr das, was ich mir in meinem Denken machte, ist, warum die Haare nicht an wirklich allen Stellen wachsen. Ich hatte erwartet, dass Bärte immer und überall gleich schnell wachsen und die gleiche Dichte aufweisen. Weit gefehlt.

Noch blöder ist der Umstand, dass es noch nicht einmal einen klar benennbaren Grund gibt, wieso das so ist. Im heimischen Kämmerlein haben mich alsbald Zweifel überkommen, ob ich einen Mangel in meiner Männlichkeit aufweise. Habe ich einen gestörten Hormonhaushalt, habe ich zu spät angefangen mit dem Bart wachsen lassen, oder zu früh mit dem Rasieren? Echt, man zweifelt da an sich. Wie ist das bei anderen? Seit Tagen beobachte ich ziemlich genau, wie es im Gesicht vorüberlaufender Männer aussieht. Ich glaube, einigen von ihnen ist es ziemlich seltsam vorgekommen, dass ich sie total unauffällig intensiv angestarrt habe. Dass intensives Beobachten und es gleichzeitig unauffällig zu tun zusammen nicht geht, hat mir einige ebenso seltsame Blicke eingebracht. Aber auch die Erkenntnis, dass ich nicht alleine dastehe mit dem ungleichmäßigen Bartwuchs. Das ist es nämlich: Gleichmäßiges Bartwachstum bei gleichzeitig ungleichmäßigem Bartwuchs.

Verstanden? Ging mir auch so.

Sind im Grunde ja nur zwei Sachen, die man auseinander halten muss. Man kommt aber immer wieder durcheinander. Dass meine Barthaare, dort wo sie wachsen, überall gleich lang sind, bedeutet also: Bartwachstum ok. Dass sie an einigen Stellen nur spärlich oder sogar gar nicht sprießen heißt: Bartwuchs ungleichmäßig. Woran das liegt weiß keiner so genau. Wie schon gesagt, haben meine konspirativen Beobachtungen fremder Männergesichter bestätigt, dass es nicht nur mir so geht – was mich einigermaßen beruhigt. Dennoch, ich hätte gerne auch dort dichte Haare im Gesicht. Was kann man tun?

Viel Sex haben, also die Testosteronproduktion provozieren, oder auch betroffene Stellen rasieren und wieder wachsen lassen, beschreiben nur Klischees, die gar nichts bewirken. Schade aber wahr. Es scheint eine Sache der Gene zu sein. Und gegen diese Veranlagung kann man nun mal wenig bis nichts ausrichten. Haartransplantation würde vielleicht gehen. Aber das wäre mir zu aufwändig und viel zu teuer, weil die Kasse das sicher nicht zahlt. Außerdem hätte ich ein komisches Gefühl, Schambehaarung ins Gesicht zu verlagern. Womöglich würde man die Unterschiede auch noch sehen. Also, lieber nicht und abwarten.

Wie schaut's denn beim Papa aus?

Über die familieninterne Genetik habe ich aber durchaus nachgedacht. Da mein Vater Zeit seines Lebens überzeugter Rasierer war und ist, konnte ich an ihm leider keine genauen Beobachtungen über seinen Bartwuchs anstellen. Und wer immer täglich rasiert, weiß halt nicht, ob an bestimmten Stellen im Gesicht mehr Haare wachsen würden als anderswo. Das merkt man erst, wenn man nicht mehr rasiert – was mir ja gerade genauso geht. Immer noch sind manche Stellen vollkommen haarfrei, zum Glück wenige. Es wird erst die nahe Zukunft zeigen, ob das dauerhaft so bleibt oder sich da nach und nach doch noch Wuchs einstellt.

Mehr kann ich da nicht machen – und akzeptieren, wenn der Bartwuchs hier oder dort ausbleibt. Tipp für Betroffene, die, im Gegensatz zu mir, statt mit ungleichmäßigem Bartwuchs dafür mit ungleichmäßigem Bartwachstum zu kämpfen haben: Mit einem Trimmer die Länge immer wieder mal angleichen. Also die langen Haare an die Länge der kürzeren Exemplare anpassen. So sieht es zumindest nach einem gleichmäßigen Bartwachstum aus. Mit der Zeit werden auch die kürzeren Haare so lang sein wie von dir gewünscht und bis auf diese Länge trimmst du die noch längeren Haare weg – und hast dauerhaft eine befriedigende Bartdichte, der niemand mehr das ungleichmäßige Bartwachstum anmerkt.

Alles für die Bartpflege?

Auch wenn dein Bart an manchen Stellen ungleichmäßig wächst, kümmer dich um ihn. Das wird ihm gefallen und die sofort auffallen. Wir haben da etwas für dich.

Zu der Bartpflege

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